17/06/20 – Der längste Tag Teil 1

Start mit Kilometerstand: 273.407 km

War das eine entspannte Nacht. Nichts um uns rum außer der schwedischen Wildnis, die dazugehörigen Stechmücken (vor dem Zelt) und hundert Meter weiter die E45.

Kurz vor neun sind wir heute aufgestanden und haben gemütlich Kaffee gekocht und unsere sieben Sachen zusammengepackt.

Auf dem Tagesplan stehen die Surströmming Challenge und möglichst viel Strecke bis kurz vor Bodo.

Wir starten um 10:15 Uhr Richtung Storuman. Vorbei an wunderbar gelegenen Seen und Bächen möchte man am liebsten immer wieder anhalten und die Natur genießen. Aber das muss heute warten.

In Storuman (eine gewisse Ähnlichkeit zu Saruman, dem Weißen ist auf jeden Fall gegeben) kaufen wir eine Dose Surströmming.

Unser Masterplan zum Transport der Dose beinhaltet ein großes Behältnis Wasser und ein kleineres für den vergorenen Fisch. Aber Pustekuchen, die Fischdose ist zu groß für unsere Umverpackung. Es muss also ohne gehen.

50 Kilometer weiter finden wir einen tollen Parkplatz an einem See gelegen. Hier packen wir unsere Angel aus und versuchen das erste Mal unser Glück.

Angebissen hat aber leider nichts, und so haben wir spontan beschlossen dem Gammelfisch eine Chance zu geben.

Mit reichlich Zwiebel und Senf auf der Semmel schmeckt das ganze gar nicht mal so schlimm wie es aus unzähligen Berichten sein soll.

Als es zu regnen beginnt machen wir uns wieder auf den Weg.

Bis nach Bodo ist es noch weit. Und wir wollen vorher noch eine Foto-Challenge meistern. Wir sollen auf einem Gletscher eine norwegische Flagge hissen. Wie wir das schaffen sollen werden wir uns spontan überlegen.

Da das Bier in Norwegen noch eine gute Ecke teurer ist wie in Schweden stocken wir in einem System Bolaget kurz vor der Grenze unseren Biervorrat auf die maximal zulässige Menge auf.

In Schweden bekommt man Bier über 3,5 Vol. % Alkohol nur an diesen Verkaufsstellen. Im normalen Supermarkt steht nichts Stärkeres.

Mitten in einer Ortschaft sehen wir unsere erste Rentier Herde unbeschwert umher spazieren. Ein sehr schöner Moment.

Mittlerweile geht es auch in die Höhe wie wir an den schneebedeckten Bergen erkennen können.

Am ersten Bergsee machen wir einen kurzen Stop und packen ordentlich Eis in unsere mittlerweile auf Zimmertemperatur angekommene Kühltasche. Heute Abend soll es ein kühles Bier geben.

Mit den Rustys sprechen wir uns 275 Kilometer vor Bodo kurz zur weiteren Streckenplanung ab. Morgen wollen wir möglichst früh auf den Lofoten sein um den schönen Süden mit zu nehmen. Also beschließen wir die Fähre nachts um 03:15 Uhr zu nehmen und buchen diese auch gleich Online.

Jetzt haben wir heute also noch genug Zeit für unsere Gletscherbesteigung. Wobei die etwas ungemütlich werden kann.

Denn kaum sind wir über die Grenze nach Norwegen und durch den ersten Tunnel fängt es stark zu regnen an und die Temperatur sinkt merklich.  Nächstes Etappenziel ist Mo i Rana. Hier wollen wir uns die norwegische Flagge „organisieren“. Nach etlichen Versuchen sind wir durch Zufall in einem  Laden in dem wir eigentlich wegen einem Ersatzmikrofon für unser Funkgerät waren fündig geworden – die Flagge ist besorgt.

Jetzt heißt es auf zum Svartisen, dem Gletscher in diesem Nationalpark. Eine Einbahnstraße – 28 Kilometer unwegsame Flurbereinigungsstraße. Zweimal aufgesetzt aber dennoch bis ans Ende der Straße gekommen. Ab dort wären es nochmal 10 Kilometer zu Fuß.

Aber um 20:00 Uhr und mit fast 4 Stunden Fahrt vor uns entschieden wir uns das erste Gletscherbild mit Flagge nachzustellen.

Zurück auf der E6 müssen wir feststellen, dass aktuell in Norwegen sehr viel in das Straßennetz investiert wird. Eine Baustelle nach der anderen und dazwischen Straßen mit Schlaglöchern die ans Material gehen.

Endlich haben wir den Polarkreis überquert – um 20:45 Uhr. Auf einmal sind keine Bäume mehr da und es ist einfach nur wunderschön.

Der Blick geht in die Ferne und die Sonne trägt das ihre dazu bei, dass dieser Moment einmalig ist.

Am Arctic Circle Center bekommen wir jetzt doch noch unser richtiges Gletscherfoto. Und den Blick auf eine echte Rarität – mit Wohnwagen hinten dran.

Jetzt geht es weiter Richtung Bodo. Und wieder stehen wir in Baustellen. Aber der Ausblick den wir dabei genießen dürfen entschädigt.

Wir erreichen den Fährhafen von Bodo um 00:45 Uhr.

Die Wartezeit bis 03:15 vertreiben wir uns mit lockeren Gesprächen und Christians hervorragenden Pulled Pork Wraps.

Die Fortsetzung unserer längsten Nacht folgt …

Ende mit Kilometerstand 274.071 km

Gefahrene Strecke 664 km

Fahrzeit 10:15 – 03:15 = 17 Stunden!!!